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Final Weekend Part I – Senior Brunch
Es ist 9.20 Uhr. Das letzte Mal öffne ich mein Wirtschaftsbuch, das letzte Mal wähle ich zwischen A,B, C, D oder E in einem „Mulitiple Choice“ Test. Zum letzten Mal nehme ich meinen Bleistift und schreibe meinen Namen auf einen William Fremd High School Test. Zum letzten Mal loge ich mich in einem US-Schulcomputer ein und gebe meine ID-Nummer an. Um 10.10 ist die letzte Stunde meiner Schulzeit in Amerika vorüber. Ich gehe zu meinem Schliessfach, öffne es ohne Problem, was ja am Anfang nicht ganz der Fall war. Ich nehme meinen Schulrucksack heraus und laufe zum Haupteingang. Dort treffe ich meinen Freund Taka. Zusammen laufen wir aus dem Gebäude und nehmen die ID, die wir immer um den Hals tragen mussten, ab. Wir schauen ein letztes Mal zurück und dann steigen wir ins Auto ein. Wir sind insgesamt vier, und niemand weiss so Recht, ob man sich jetzt freuen sollte oder ob man bedrückt sein soll. Gemischte Gefühle. Einerseits ist man froh, dass ENDLICH die Schulzeit vorüber ist. Keinen Teststress, Hausaufgabendruck und” jeden Tag gut auszusehen zu müssen” Gefühl (eher für unsere weiblichen Leser…) mehr. In der anderen Hand sieht man nun all seine Freunden und Kollegen nicht mehr jeden Tag, und alle gehen in verschiedene Richtungen, sei es ins College, Job oder eben zurück in die gute alte Schweiz.
Wir biegen zu einem mittelgrossen Gebäude ab. Mit uns alle Seniors der William Fremd High School. Alle sind elegant gekleidet. Ich selber habe ein schwarzes Hemd, beige Hosen und schwarze Schuhe an. Wir haben den traditionellen Senior Brunch. Alle – mich eingeschlossen – haben ihr Jahrbuch dabei. In Amerika ist es Tradition, dass am Ende von jedem Schuljahr es ein mehr oder weniger dickes Jahrbuch gibt. Darin sind alle Schüler mit Bild, Seniors sogar mit Bild und Unterschrift abgebildet. Zu dem kommen ca. 200 Seiten mit Schulaktivitäten, was zeigt, was für ein riesiges ausserschulisches Schulprogramm meine Schule hat. Von Mathematik Club über Internet, Drama, Kultur, Sprach, Bible Study, Bowling bis zu allen möglichen Sportarten, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Eine andere Tradition ist es, dieses Jahrbuch zu unterschreiben und einen kleinen Text dazu zu verfassen. Fröhlich und gemütlich sind alle
daran, ihre Bücher zu unterschreiben. Wobei ich das “gemütlich” wieder zurück nehme: neben mir stapeln sich Bücher wie Berge und ich komme in einen unheimlichen Druck alle möglichst bedeutungsvoll zu Unterschreiben. Dann kommen noch zahlreiche Fotos hinzu, bei denen ich immer noch reinlachen muss. Halb unterschreibend und lächelnd, so wie es sich gehört!
Das Essen wird dann schliesslich serviert und ich habe natürlich wie üblich die doppelte Portion. Allerdings nur weil ich – klever wie ich – bin einen Sitz neben mir frei liess und nichts gesagt habe, als die Serviertochter freundlich einen Teller serviert. Frühstück und Mittagessen – doppelt. Auch das wird langsam zur Gewohnheit. Ja ich bin jetzt nicht mir so dünn, wie ich mal war. Habe schon die 100 Kilo-Marke geknackt. (Ja Ironie ist im Spiel). Nach dem Essen, oder im meinem Fall: während, gibt es einige Festreden. Ein Lehrer und zwei Schüler, einer davon ging in meine Small Group, sprechen von den vier Jahren High School und probieren möglichst lustig und philosophisch zu sein, was meistens auch perfekt gelingt. Auch spielt Patrick Kennedey auf dem Piano ein Lied und schliesst damit den Brunch perfekt ab.
Offiziel ist der Brunch zu Ende, allerdings unterschreiben alle noch weiter ihre Bücher und machen Fotos zusammen.
Der Brunch war der Schluss und gleichzeitig der Startschuss für die Abschlussfeste. Zuerst Prom (grosser Ball) am Freitag, Ausflug zum Strand am Samstag und schliesslich Graduierung (Abschlusszeremonie) am Sonntag. Danach ist die Schulzeit in den Staaten für mich vorbei. Und ich werde einen langen Sommer geniessen!

