
Ich bin sicher, die meisten von euch haben schon mal Harry Potter gesehen, oder zumindest einen Trailer im Fernseher. Im Moment komme ich mir sehr wie in einem Potter Film vor. Ich trage einen grünen Talar – also eine lange Amtsrobe. Wenn ich in die Runde schaue, sind alle grün gekleidet. Über 700 Schüler haben sich in den Gängen eines Stadions versammelt. Wo normalerweise Basketballspieler noch letzte Vorbereitungen für ein Spiel machen, stehen wir jetzt. Alle stolz in grün und, wie ich schon erwähnt habe, im Harry Potter Style. Als wir dann noch alle den viereckigen Hut aufsetzen, der traditionellerweise auch dazu gehört, kann ich mein innerliches Lachen kaum mehr verdrängen. Zu ulkig und wie in Filmen, sieht alles aus. Als dann noch die Lehrer, die in Schwarz gekleidet sind, durch marschieren, ist für mich alles klar: Graduation oder auf Deutsch Abschlussfeier beginnt. Wir sind alle schöne in vier grosse Schlangen eingeteilt. So wie wir es bei Hauptprobe am Freitag geübt haben. Den Hut aufgesetzt, die Schlinge auf die rechte Seite des Hutes, und den Talar nochmal schön richten und los geht es. Wir laufen durch den Gang des Stadions. Als ich in das Stadion hinein laufe, scheinen mir Scheinwerfer stark ins Gesicht, von der Seite sehe ich schreiende, klatschende und photographierende Eltern. Immer wie lauter wird es und als ich hineinlaufe, steigt der Lautpegel gerade nochmals ein bisschen, jedenfalls kommt es mir so vor…
Da ich einen A-Vornamen haben, bin ich einer der Ersten und laufe stolz in Richtung Bühne. Kurz vor der Bühne sind Stühle aufgestellt und ich nehme in der zweiten Reihe platz. Wobei Platznehmen das falsche Wort ist, denn ich stehe, bis alle anderen 700 klassenweise eingelaufen sind. Dies dauert dann auch fast fünf Minuten. Als die Band, die hinter den Schülern platziert ist, mit spielen aufhört, dürfen wir uns hinsetzen.
Eine Schülerin startet ein Rede. Sie scheint etwas nervös zu sein, was allerdings verständlich ist, denn schliesslich spricht sie vor 700 Schüler, die alle neun Tickets für “Anhang” bekommen haben. Dann wird alles noch auf einen grossen Bildschirm übertragen. Hinter ihr sitzen dann auch noch alle wichtigen Schullehrer und Mitglieder der Fakultät. Sie macht aber einen sehr guten Job und nur dass ihr der Viereckhut runtergefallen ist, wird sie im nachhinein wohl ärgern.
Nach drei weiteren Reden der Lehrer und der Rektorin Doktor Small (ist dies nicht ein ironischer Name für einen Rektor einer Schule mit fast 3000 Schülern??), nach diesen Reden werden alle Eltern noch dazu aufgefordet nicht aufzuschreien, wenn der Name ihres Kindes gesagt wird. In der Probe hat man uns gebeten, keine Kuhglocken mit zubringen. Ich fühlte mich da sehr angegriffen, da es doch vor allem in der Schweiz eine Tradition ist, Kuhglocken zu Festlichkeiten wie Skirennen etc. mit zu bringen. Naja manchmal muss man halt Kompromisse eingehen. Endlich fangen sie an Namen aufzusagen. Die erste Reihe beginnt vor der Bühne „anzustehen“. Von zwei Seiten kommen wir durch. Es wird jeweils ein Photo vor der USA Flage gemacht, danach geht man auf die Bühne, der Name wird gesagt, Diploma überreicht, die Hand der Rekotrin gedrück und wieder zurück zu seinem Platz. Alles im allem bekommt man vermutlich 10 Sekunden Bühnenzeit. Und die Namen werden von zwei Lehrern in einem unheimlich schnellen Takt aufgesagt. Stolz possiere ich vor der USA Flagge.
Spätestens jetzt sehen die meisten, dass ich eine kleine Schweizerflagge auf meinen Viereckhut raufgeklebt habe, soviel zur Kuhglocke! Revanche ist süss! „Raphael Matthias Ammann“ sagt der Redner auf der linken Seite, einigermassen recht ausgesprochen. Stolz laufe ich zur Mitte der Bühne und erhalte mein High School Diplom. Sie haben extra eines für Austauschschüler angefertigt. Stolz laufe ich von der Bühne hinunter zu meinem Platz. Es fühlt sich gut an. Die Schulzeit ist abgeschlossen und wir gehen alle Richtung Universität zu. Halt, nicht ich, ich gehe zurück in die Schweiz und darf mich noch 2,5 Jahren im Gymnasium Laufen vergnügen. Wenigstens kann ich ein mit erleben wie es sich anfüllen würde.
Als nach ein bisschen mehr als einer Stunde alle Schüler ihr Diploma empfangen haben, wird die Schlinge auf dem Hut von links auf die rechte Seite gewechselt. Danach gibt ein Schüler ein Zeichen und wie ein Feuerwerk schleudern wir alle den Hut in die Höhe. Wie ein Feuerwerk dauert auch dies länger als nur ein Moment. Wir beginnen hinaus zu laufen. Draussen warten dann auch schon alle Eltern und Freunde um uns zu gratulieren. Mir wird ein „Congrats Grad“ Ballon überreicht und es werden einige Photos gemacht.
So mit verabschiede ich mich definitiv von William Fremd. Die Schule in der ich in seit August 08 genau 180 Tage lang besuchte. 180 Tage ging ich um 6.57 Uhr auf den Schulbus und kam um 15.00 Uhr nach Hause. 180 Stunden amerikanische Geschichte, Photographie, Englisch, CAD, Politik und Wirtschaft. Unglaublich wie sich dass nach viel anhört und wie viel man in dieser Zeit lernen kann. Ich würde diese 180 Tage gegen nichts eintauschen, denn ich habe sowohl über amerikanische Kultur, Kunst, Geschichte und Lebensart einiges gelernt, wie auch über mich selbst. So bleibt mir nur noch ein Satz zum Ende meiner Schulzeit. Danke William Fremd High School!
















August 23rd, 2009 at 2:51 am
Omg ich beneide dich unendlich das du ein Austausch Jahr in den USA machst. Ich selbst war jetzt in den Ferien 1 Monat in Californien. Dort habe ich auch bei einer Gastfamilie gewohnt. Es hat mir dort sooo gut gefallen. Jetzt bin ich am Überlegen ob ich auch ein Ausstausch Jahr machen soll. Aber ich glaube ich habe nicht den Mut dazu. Ist es dir sehr schwer gefallen 1 Jahr ohne deine Freunde & Familie usw…?? Für mich war das eine Monat shcon ziemlich hart.&& war es schwer in der Schule alles zu verstehen und mit zu kommen?
Lg Sandra
PS: Würde mich freuen wenn du mir mal Mailst.