Es ist schon ein komisches Phänomen, dass man nass wird, wenn man duscht. Jedenfalls konnte ich als Zehnjähriger nie wirklich verstehen, wieso man denn nass wird wenn man sich reinigt. Solche und andere Gedanken gehen mir gerade durch den Kopf, als ich mich parat mache, um in Kirche zu gehen. Ja ich habe ein sehr gestresstes Wochenende, was wohl mein Gedankengang erklärt. Mein Small-Group Leader holt mich schon um 8.45 Uhr ab. Heute gehe ich in den normalen und in den Schülergottesdienst. Lee Strobel, wohl mein Lieblingsautor (Okay, vermutlich ist es auch der Einzige denn ich kenne, aber immerhin hab ich mal ein Buch freiwillig gelesen), spricht heute in Willow Creek Church.
Nach dem Abholen und Fessttellen, dass es verboten werden sollte, so früh aufzustehen, beginnt der Gottesdienst oder auch Service, wie man ihn hier nennt. Ich mag mich noch an Diskussionen erinnern, ob nun ein Elektro-Schlagzeug in die Kirche passt oder nicht. Nun hier ging man jetzt schon ein Schritt weiter und hat gerade zwei
normale Schlagzeug auf der Bühne. Soviel dazu. Lee Strobel beginnt seine Rede und erzählt uns, wie er von einem Atheisten, der versucht hat, das Christentum als falsch zu erklären, durch journalistische Festellungen zum Glauben gekommen ist. Als er Atheist war, hat seine vier Jahre alte Tochter ihr Spielsachen immer zusammen gekapackt und ist ins Zimmer gegangen aus Angst vor ihrem Vater, der oft betrunken nach Hause kam. Zwei Jahre später stellt edie Tochter eine gravierende Veränderung in ihrem Vater fest und möchte jetzt auch so werden wie er ist. Eine Biographie, die ich allen empfehlen würde.
Der Service endet und der Jugendgottesdienst beginnt um 11.15 Uhr. Nur Seniors, die Abschlussklasse einer High School, leiten den Service. Die Predigt ist in drei Reden eingeteilt, alle von Schülern. Zwei davon gehen wie ich in die Fremd High School, und einer davon kommt mich in der Schweiz im August besuchen. Ich überlege mir, wie viel Mut es wohl braucht, vor fast 2000 Schülern zu sprechen. Spass würde es auf jeden Fall machen. Nach dem Gottesdienst wäre ich eigentlich schon bettreif, aber jetzt steht die letzte House Group bevor. (House Group ist ein Treffen nach dem Gottesdienst für alle, die zur gleichen High School gehen, für diejenigen die es noch nicht wussten). Jeden Sonntag bin ich zur House Group gegangen und hab mit meiner Small Group (Alle Boys die im letzten High School Jahr sind) Mittag gegessen, Football geschaut, Freshmans gejagt, Leiter verarscht, geredet und das Haus auf den Kopf gestellt. Kurz gesagt wir hatten jedes Mal eine gute Zeit. Zu Ehren der Seniors bekamen wir alle ein T-Shirt, wie üblich in den USA. Hier bekommt man einfach für alles ein T-Shirt, was mir sehr gefällt, aber von den mitgenohmenen drei zu den wahrscheindlich über dreissig T-Shirt, die ich jetzt besitze, ist es schon eine rechte Steigerung, die ich mir so nicht erhofft habe. Jedenfalls bekommen wir ein T-Shirt und erzählen der Rest der House Group (ca. 70 Schüler) was unsere Zukunftspläne sind und was ein Tipp ist, um die High School Zeit zu überstehen. Der Beste war wahrscheinlich: ein Ninja zu sein und oder sich nicht dem Gruppenzwang verleiten zu lassen.
Erst ganz am Schluss realisiere ich, dass dies meine letzte House Group ist und – nach über 35 mal – dies jetzt vorbei ist. Jetzt wird mir zum ersten Mal bewusst, dass es im gleichem Stil weitergehen wird. Schon bald hab ich meinen letzten Schultag und danach geht es nicht mehr lange, bis ich wieder nach Hause fliegen werde. Ich mag mich sehr gut erinnern, als ich endlich die Primarschule abgeschlossen hatte und mit meinem Mini-Scooter so schnell wie möglich aus dem Schulhaus gefahren bin und ein Gefühl eines Urschreies im Magen hatte. Dies werde ich hier sicher nicht haben. Vermutlich werde ich versuchen einen Schulschlüssel aufzutreiben und so ein bis zwei Wochen in der Schule zu Campen (Ja, dies ist ironisch gemeint). Komisches Gefühl alles verlassen zu müssen was mir in einem Jahr ziemlich ans „Herz“ gewachsen ist (okay, dies tönt jetzt einiges femininer als ich es mir gedacht habe, vielleicht stellt auch ein Holzfäller vor, so dass ein „männliches” Bild entsteht). Natürlich kann ich es kaum erwarten, wieder meine Familie in der Schweiz und Freunde zu sehen, ja auch das Gemüse wird mir wieder gut tun. Aber Vorfreude und Abschiedsgefühl zusammen sind wohl immer eines der komischsten Gefühle.













