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Jun 30, 2009 - everyday life    No Comments

Nach 315 Tagen

Airplane

Mir ist es gar noch nie so fest aufgefallen wie schwierig es ist zu sagen, von welchem Land jemand kommt. Meisten kann man sagen von welchem Kontinent, so sind doch Asiaten schon sehr offensichtlich, aber ob jetzt jemand aus Europa ist oder aus Amerika ist meistens nicht so einfach. Nicht-Amerikaner erkennt man allerdings einfach an dem unsicheren Blick nach, wo grosse Symbole als Wegweiser dienen… Müde und hungrig sehen die meisten aus. Ging mir allerdings genau so, als ich das erste Mal aus dem Flughafen in Chicago O’Hare herauskam. Jetzt ist es schon 315 Tage her, dass ich meine Familie aus der Schweiz das letzte Mal gesehen habe. Mit einem grossen Plakat, auf dem „Welcome to America“ steht, stehe ich parat vor dem Ausgang der internationalen Gäste auf genau diesem Flughafen. Schon fast eine Stunde warte ich mit meinem Austauschvater und Austauschschwester Susi. Nach einer Weile sehe ich ein ersten roten Pass an mir vorbei laufen, die ersten Schweizer. Auch ein gelbes, typisches Schweizer Postpaket kommt an mir vorbei geeilt. Ich weiss, es kann nicht mehr lange dauern. Als dann keine Schweizer mehr kommen und scheinbar China angekommen ist, frage ich mich, ob sie an einem anderen Ausgang heraus gekommen sind. Und so ist es dann auch. Von hinten kommen Bruder, Mutter und Vater mit sechs Koffern angerollt. Nach einem freudigen Wiedersehen und Umarmungen, sagt US-Dad Dan zu meiner Familie sogleich, dass sie langsam Schweizerdeutsch mit mir reden sollen. Ich hätte die Hälfte verlernt und könne jetzt besser Englisch. Tatsächlich hat diese eher ironisch gemeinte Aussage ein Stückchen Wahrheit in sich, verstehen tue ich zwar noch einigermassen, allerdings fühlt sich Reden an wie durch einem Mixer gekommen. Und gewohnte englische Standart Sätze lassen sich nicht einfach in Schweizerdeutsch übersetzten, wie ich immer wieder feststelle, und so muss ich mir immer überlegen, wie ich dies jetzt auch wieder in meiner Muttersprachen sagen würde.switzerland Daniel und Jeruel sind beide ziemlich gewachsen, vor allem Jeruel, und beide sehen jetzt einiges älter aus. Meine Eltern sehen immer noch fast gleich aus, was sich als ein Kompliment versteht. Alle sehen ziemlich müde aus, aber der Hunger muss grösser sein, und so fahren wir mit zwei Autos nach Hause. Als Dan den Gepäckwagen einfach auf dem Parkplatz in der Mitte stehen läst, schmunzeln meine Brüder und ich sage nur, dies sei jetzt halt eben ein Kulturunterschied. Tatsächlich sieht man dies oft in Amerika. Parkplätze, die wohl mehr von Einkaufswagen, die überall verteilt herum stehen, benutzt werden.

SliderZu Hause gibt es typisch amerikanischen „Junk-Food“. Pizza und ein „Grave-Case“. Ein Grave Case ist eine Box gefüllt mit 30 Mini-Hamburgern. Ich wollte ihnen doch gleich mal zeigen wieso ich hier nie in den McDonalds gehe. Es gibt hier einfach viel bessere Fast-Food Möglichkeiten. Man isst und spricht und stellt sich gegenseitig vor. Als ich das Tischgebet auf Deutsch übersetzten muss, spürt man extrem, dass mein Schweizerdeutsch schon ein bisschen weiter zurück liegt. Wie sagt man denn auch wieder „bless this food“ auf Deutsch. Behüte unser Essen oder Heilige dieses Essen?? Bei einer simultanen Übersetzung ist halt nicht alles perfekt. Meine Brüder mögen die Mini-Hamburger, welche man Sliders nennt, sehr und essen einige. Ich beschränke mich auf ca zehn Stück, so dass die Anderen auch noch etwas bekommen. Unser Ziel ist es, meine Schweizer Familie bis um neun Uhr wach zu behalten, so dass die Zeitverschiebung nicht all zu schwierig ist.

Nach dem Essen geht es auf einen kleinen Spaziergang. Meine Eltern sind sehr überrascht, dass sie nicht die Einzigen sind, die Spazieren, aber ich glaube, das Vorurteil, dass Amerikaner nur im Notfall laufen, ist nicht ganz wahr. Meine US-Mom geht jeden Morgen um fünf Uhr spazieren, so viel zu diesem Vorurteil. Nach dem Spaziergang geht es zur Hausbesichtung und ich muss aufpassen, dass ich sie nicht mit allem Überfordere, es gibt so vieles, was ich ihnen zeigen möchte. Aber in ihrem Zeitgefühl ist jetzt schon bald 5 Uhr morgens, und nach dem Zeigen das unglaublich coolen TV’s geht es ins Bett. Daniel und Jeruel schlafen sogleich ein und vergessen das Licht abzuschalten. Mit einem grösseren Lächeln auf dem Mund übernehme ich dies und bin froh, dass sie herüber gekommen sind und ich ihnen zeigen kann, wo ich für ein Jahr gelebt habe.

landingchicago

Aug 17, 2008 - everyday life    No Comments

Erste Eindrücke

Silverman

Es ist Mittag und ich bin immer noch, auch nach 14 Stunden,am schlafen oder dösen, wie man’s nimmt. Plötzlich geht meine Zimmertür auf und ich werde mit einem „Hey Dude!“ von meinem U.S-Dad aufgeweckt. So gleich springt Izzy auf mich und weckt mich total. Spätestens jetzt bin ich absolut wach. Nach dem Anziehen gehe ich runter in die Küche und esse das erste Frühstück bei Silvermans, Cereals. Was für den einen oder anderen spektakulär und nach einem typischen amerikanischen Frühstück klingt, ist in Wirklichkeit schlicht und einfach Kellogs, aber natürlich mit amerikanischem Flavour.

Mein erster Shoppentrip steht kurz bevor und ich fahre mit Dan in ein Einkaufszentrum um Esswaren zu kaufen und um herauszufinden was ich gern hab und was nicht. Dan fragt mich, ob ich dieses und jenes Mag. Was nach einem sehr einfach Prozedere klingt, überfordert mich in der Realität ein bisschen. Denn alles sieht anders aus als in der Schweiz und die Englischen Ausdrücke für Lebensmittel die ich in der Schweiz gelernt habe, scheinen nicht viel zu nützen, da die Amerikaner sowieso noch mal alles anders nennen. Ach und die Auswahl. Ich meine, wann hat man schon die Auswahl zwischen Frühstücksflocken in ca. 70 verschiedenen Sorten und die jeweiligen Sorten noch in ca. fünf verschiedene Grössen? Ich entscheide mich für die gut aussehenden classic Kellogs. Das Einkaufszentrum ist riesig und kein vergleich mit einem MMM Migros. Was mir einen bisschen einen Durchblick verhilft in der Auswahl was ich mag, sind die vielen Probemuster. An jedem Gang Ende/Anfang stehen Angestellte mit Probemuster, so wie man es kennt. Aber wie schon gesagt, überall. Wenn ich obdachlos wäre und kein Geld hätte, müsste ich mir immerhin ums Essen keine Sorgen machen. Nachdem wir unseren grossen Einkaufswagen, auch der grösser als die in der Schweiz, gefühlt haben gehen wir noch in einen zweiten Lebensmittelladen der ein bisschen kleiner ist aber immer noch riesig. Wieso weiss nur Dan, er hat denn vollen Durchblick wo was am günstigen und vor allem am Besten ist.

Am Abend kommt Kahtryn nach Hause. Sie ist meine älteste Gastschwester und wir im Dezember heiraten. Wir essen zur Feier des Tages Hühnchen mit Maiskolben, was laut Aussage ein wirklich typischen amerikanisches Nachtessen ist. Als sich das Abendessen zum Ende neigt, sagt Dan spötisch: ,,Siehst du Linda (U.S.-Mum) es ist doch gut das wir zwei Hähnchen gemacht haben! Eins für Raphy und eins für den Rest“ Wie Recht er hat. Ich bekomme wirklich genug Essen und Fleisch!

Aug 16, 2008 - everyday life    No Comments

“Homecoming”

Illinois und USA Flagge

Im Hotel werde ich sehr freundlich von weiteren ASF Helfer empfangen. Wir essen zusammen mein erstes Nachtessen. Pasta mit Tomatensauce, typisch amerikanisch? Nicht wirklich! Aber trotzdem ziemlich gut. Danach geht es ins Bett. Um fünf Uhr morgens stehe ich auf und bin überrascht, dass ich überhaupt nicht müde bin. Nun ja, andere würden es eventuell „Check leg“ nennen. Ich nehme zuerst ein Dusche und danach bügeln ich und der eine meiner zwei Zimmergenossen, unsere T-Shirts. Das Frühstück ist sehr ausgiebig allerdings muss ich mich erst an den süssen Geschmack der Kellogs und der Donuts gewöhnen. Kurz nach dem Frühstück gehen wir zurück ins Zimmer, wir hätten eigentlich erst um 8 A.M. aufstehen müssen, aber wir wollten sicher gehen, dass es noch Frühstück hat.  Als es dann endlich 8.00 A.M. ist gehen wir runter und werden von den AFS-Leuten in den amerikanischen Lifestyle eingeführt. Sie erzählen uns viele witzige Stories. „It’s not wrong, it’s not right, it’s just different“ (Es ist nicht falsch, es ist nicht richtig, es ist einfach anders) höre ich immer und immer wieder.

Zum Mittagessen gibt es Hotdogs, also nicht heisse gebratene Hunde, sondern wirkliche Hotdogs so wie in der Schweiz. Nun das stimmt eigentlich auch nicht den das Brot ist anders und die Wurst auch, aber es sieht dem „schweizer“ Hotdog ähnlich. Am ähnlichsten dem in der IKEA. Am Nachmittag erzählen uns die AFS-Helfer (fast alles Frauen im die 45) noch mehr über Amerika und ich bekomme langsam nichts mehr mit. Aber lustig ist es auf jeden Fall, denn wir machen auch Spiele uns sonstige Sachen. Wie zum Beispiel wie man das Schloss eines High School Schliessfach aufbringt. Wirklich schwierig! Aber nach dem ca. 10 Versuch hab auch ich es im Griff. Wie es wirklich funktioniert schreibe ich hier wohl besser nicht, es wäre zu kompliziert und es würde sowieso niemand durchblicken.

Danach ist es soweit, wir gehen uns verstecken damit uns unsere Gastfamilie auch ja nicht früher sieht, als sie es geplant ist. Wir gehen die Treppe rauf und wer sitzt gemütlich auf dem Sofa und hat einen Small Talk mit einer AFS-Helferin? Meine Gastfamilie! Allerdings muss ich natürlich vorbeilaufen, als ob sie nicht da wären, was mir auch ziemlich gut gelingt, wie ich meine. Wir Exchange Students etwa 20 (aus Dänemark, Brasilien, Chile, Norwegen, Spanien und Indien), warten nochmals etwa 1,5 Stunden bis es soweit ist. Als es dann endlich so weit ist gehen wir wieder runter in den Saal. Jede Nation hat natürlich ein Schild mit seiner Flagge und Name der Nation darauf, es kommt mir vor wie bei den Olympischen Spielen. Und dann endlich ertönt es „Please welcomes you the exchange stundents from Switzerland!“ (Bitte begrüssen sie die Austauschschüler aus der Schweiz), Linda (Host-Mum) Dan (Host-Dad) und Sarah (Host-Sister) umarmen mich herzlich und heissen mich mit einem „Welcome Raphy“-Schild willkommen. So gleich packen wir mein Gepäck, bei dem mittlerweile das einte Rad gebrochen ist, sodass ich jetzt die 22 kg schwere Tasche tragen muss, und steigen ins Auto. Sie fragen mich was ich gerne auf der Pizza hätte und wir bestellen Pizza Hawai. „Welcome Home“ sagt Dan als wir in die Garage meines neuen zu Hause fahren. Sogleich lerne ich auf ein weniger stürmische Art Izzy kenne. Izzy ist eine Texanerin, die, wie ich noch feststellen werde, sehr gerne Icewürfel ist. Ach und das Wichtigste habe ich fast noch vergessen, sie gehört der Spezies Hund an. Nach der Begrüssung essen wir mit Julia (Host-Grandmum) und Kirsty (Freundin von der anderen Gastschwester Susan, die allerdings nicht da ist) Pizza während wir Olympia schauen. Ja, sie haben einen TV in der Küche! Danach gehen wir alle in das Wohnzimmer. Und da steht er eine grossen HD Widescreen Fernseher. Ich weiss sogleich was ich vermissen werde. „Do you like it?“ fragt mich Dan mit einem schelmischen Lächeln. Über 100 Sender haben wir und dieser TV kann noch vieles mehr. Olympia in High Definition Qualität, was will ich mehr?

Um ca. 9.00 PM gehe ich ins Bett. Ich bin sehr müde und werde erst wieder 14 Stunden später wach sein!